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04. November 2016

Teil 2: "Drei Wünsche auf einmal...

Fotos: Ralf Stumpfernagel | Mannheimer Versicherung AG 

BELMOT probiert es aus: Hauptuntersuchung, H-Kennzeichen Abnahme und Wertgutachten an einem Termin. Ralf von BELMOT hat mit den beiden FSP-Gutachtern in der Klassikstadt Frankfurt, Fabian Ebrecht und Sebastian Hoffmann, einige Fragen geklärt, über die aktuell diskutiert wird.

... das geht nun wirklich nicht." Oder vielleicht doch?

Ralf von BELMOT spricht mit den beiden FSP-Gutachtern Fabian Ebrecht und Sebastian Hoffman

BELMOT: Herr Ebrecht, Herr Hoffmann: Das Wertgutachten direkt beim HU-Termin erstellen zu lassen. Das ist aus unserer Sicht eine sinnvolle Sache. Wie wird diese Idee angenommen?

FSP: Hervorragend! Viele Halter von historischen Fahrzeugen legen während der 2 jährigen HU Gültigkeit nur sehr überschaubare Wegstrecken zurück, daher kommt es Ihnen natürlich entgegen wenn sie bei dem alle zwei Jahre wiederkehrenden Pflichttermin ein neues Gutachten, oder nur eine Aktualisierung eines bestehenden, gleich mit in Auftrag geben können und somit Zeit und Aufwand sparen.

BELMOT: Kürzlich zeigte eine Diskussion auf der BELMOT facebook Fanpage eine weniger schöne Sache:
Das H-Gutachten und die Kurzgutachten sind in Verruf geraten. Die Qualität sei mies und das H-Kennzeichen, so spotten die Besitzer von originalen Fahrzeugen, sei ein "HaHa-Kennzeichen" also schlicht ein Witz.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, da rollen mattschwarze Ford Taunus durch die Lande, T2 in NATO-oliv und Autos, die aussehen, als hätten sie das letzte Mal 1981 eine Lackpolitur erhalten. Kürzlich parkte bei uns im Ort ein Ascona-B, der war zeitgenössisch repariert aber hatte tatsächlich noch eine Tür und den Kofferraumdeckel vom Schrottplatz in einer komplett anderen Farbe. Genaugenommen steht da ein ganzer Berufsstand in der Kritik, wie arbeitet ihr dagegen an, um Qualität in der Arbeit zu gewährleisten?

FSP: Prüfingenieure haben grundsätzlich keine explizite Schulung auf dem Fachgebiet Oldtimer. Die Ingenieure bei FSP werden in Praxisseminaren und gesonderten Schulungen auf die Anforderungen in der Praxis ausgebildet. Zusätzlich leistet sich FSP eine eigene Klassik-Abteilung mit der Originalitätsfragen jederzeit geklärt werden können.
Die KBA Statistik zeigt einen deutlich steigenden Anteil an H-Kennzeichen im Straßenverkehr. FSP nimmt die Verantwortung sehr ernst, wirklich nur erhaltungswürdiges Kulturgut mit dem H-Kennzeichen auszuzeichnen.

BELMOT: "Kurzgutachten sind das Papier nicht wert, auf dem Sie geschrieben sind", so stand es in einem Post auf BELMOT. Was sind aus Sicht der Gutachter die wichtigsten Punkte, auf die ich als Oldtimerbesitzer achten sollte und die ich im Vorfeld mit dem Gutachter meines Vertrauens abklären sollte?

FSP: Tatsächlich ist das Kurzgutachten weniger als die Bestätigung der reinen Existenz eines Fahrzeuges. Nicht einmal die genaue Identität des Fahrzeuges kann in diesem Rahmen genau geprüft werden. Auch individuelle Attribute, wie Sie jedes ältere Fahrzeug zwangsläufig in der Historie aufweist, können im Rahmen der Kurzbewertung nicht berücksichtigt werden.
Die FSP Klassik Abteilung geht mit der Meinung von Kollegen konform, wonach bei stark steigenden Werten und damit einhergehendem Aufkommen von falschen oder gefälschten Fahrzeugen die Kurzbewertung grundsätzlich nicht mehr zeitgemäß ist.
Überdies sind auch die 5 Zustandsnoten völlig überholt da oftmals nicht der Zustand wertbildend ist, sondern Faktoren wie Historie, Identität, Integrität usw.
Der Markt für klassische Fahrzeuge zeigt diese Entwicklung überdies auch ganz eindeutig.
Als Oldtimerbesitzer sollte man ein gesteigertes Interesse haben, Besonderheiten im Gutachten herausarbeiten zu lassen, um im Streit- oder Schadenfall eine vernünftige Dokumentation zu haben. (Anmerkung von BELMOT: Wir empfehlen unseren Kunden, auf ausführliche Wertgutachten durch einen sachverständigen Gutachter zu setzen. Dieser macht eine fundierte Aussage zum Zustand und zur Substanz des Fahrzeugs. Gerade nach Restaurierungen oder umfangreichen Reparaturen, vor allem nach einem Zubehör-Einbau, ist das wichtig. Darauf aufbauend kann jederzeit durch ein Kurzgutachten der neue Wert aktualisiert werden. Sinnvoll ist auch die regelmäßige Prüfung der Wertentwicklung vergleichbarer Modelle)

BELMOT: Der berühmte Igel in der Tasche, Gutachten sollen ausführlich sein und am besten fast nichts kosten. Unsere Kunden berichten von Gutachten, die 5.000 oder 8.000 Euro kosten sollen. Wo beginnen nun die Kosten, wenn ich ein ausführliches Wertgutachten benötige?

FSP: Gegenfrage: Ist die Unabhängigkeit eines Gutachters wirklich gegeben, wenn sich sein Honorar am Wert des Fahrzeuges bemisst?
Die Identitätsprüfung eines frühen Faltdach-Käfers kann sehr aufwändig werden, hingegen kann ein gut dokumentierter Mercedes 300 SL Roadster eine einfache Angelegenheit sein. Zwischen beiden Fahrzeugen liegen wertmäßig allerdings Welten.
Sind beispielsweise Materialanalysen notwendig, um die Identität eines Fahrzeuges bzw. den Restaurierungsumfang zu ermitteln, sind die genannten Summen keine Seltenheit.
Grundsätzlich gilt: Je besser ein Fahrzeug dokumentiert ist, desto weniger Fragezeichen stellen sich, insbesondere bei restaurierten Fahrzeugen. Ein originales Fahrzeug zu beurteilen ist immer einfacher, weil es nicht oder nur wenig verfälscht ist.
Ein fundiertes Vollgutachten zu erstellen ist seriös unter 350,- € schlichtweg nicht möglich.


Vielen Dank für Ihre Zeit und die Beantwortung meiner Fragen, Herr Ebrecht und Herr Hoffmann!

 

Ihr Ansprechpartner
Ralf Stumpfernagel
BELMOT Team
Tel: 0621.457- 2283
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