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09. Juni 2017

Teil I: Der Human Detector

Foto oben: Human Detector
Fotos | Bildrechte dieser Seite: heddier electronic GmbH


Hinter der Bezeichnung "Human Detector" steckt eine Möglichkeit, Fahrzeuge, Exponate und Kunstwerke in Privat- und Firmensammlungen in Ausstellungen sowie Museen unsichtbar vor Berührung und Diebstahl zu sichern. BELMOT hat mit dem Entwickler Clemens Heddier über den Human Detector gesprochen. 


Aufnahme einer Zentrale
Showroom der heddier electronic GmbH mit Human Detector-gesicherten Fahrzeugen
Youtube Video: heddier electronic GmbH
Ein intelligenter kleiner Sensor mit großer Wirkung


Hinter der Bezeichnung "Human Detector" steckt eine Möglichkeit, Exponate in Ausstellungen unsichtbar vor Berührung und Diebstahl zu sichern. Damit kann es eine kostengünstige technische Alternative zum Sicherheitspersonal sein, das früher womöglich rund um die Uhr, in mehreren Räumen und an sieben Tagen die Woche in Museum oder Autohaus ein Auge z. B. auf Oldtimersammlungen haben musste. Heute reicht eine kleine Box um große Sicherheit zu schaffen.

BELMOT hat mit seinem Kooperationspartner Clemens Heddier, Geschäftsführer der heddier electronic GmbH, über die Einsatzmöglichkeiten, die Wirkungsweise und den Einbau des Human Detector gesprochen. Für die Entwicklung dieser Generation an Sensoren erhielt das Unternehmen im Jahr 2001 eine Auszeichnung im Rahmen des Bundesinnovationspreises.

Der Human Detector wurde für Fahrzeuge, Exponate und Kunstwerke in Privat- und Firmensammlungen sowie Museen entwickelt. Er schützt – für den Besucher unsichtbar – alle Formen von Kunst, Ausstellungsstücken und technischen Exponaten. Nur wenige Handgriffe sind für die Anbringung nötig. So können auch "Nicht-Techniker" ganz einfach innerhalb von wenigen Sekunden den Detector direkt am Exponat anbringen.

Wir stellen uns folgende Situation vor: Ein Besucher eines Automuseums ist so fasziniert von einem ausgestellten Lamborghini, dass er automatisch seine Hand in Richtung Fahrzeug ausstreckt, um ihn zu berühren. Sofort ertönt ein lauter Warnton.

 

Technisch passiert folgendes: Der Human Detector nutzt das elektro-magnetische Feld aus, das natürlicherweise um ein Fahrzeug aufgebaut ist. Wenn ein Körper – also jene humane Masse (deshalb auch der Name "Human Detector"), die wesentlich aus den guten Leiter Kochsalz gelöst in Wasser besteht – dem Fahrzeug näher kommt, fließen Elektronen. Diese werden der Fahrzeugoberfläche entnommen oder zugeführt und ändern das elektro-magnetische Feld.. Die Sensorik des Human Detectors erkennt die Änderung und löst deshalb einen Warnton aus. Ein Beispiel aus dem Alltag, bei dem im Prinzip das gleiche passiert: Im Winter haben wir oft sehr trockene Heizungsluft in einem Raum. Wenn wir die geschlossene Tür an der Klinke berühren, um sie zu öffnen, spüren wir einen leichten Schlag. Einen Schlag erhält der menschliche Körper bei einem durch den Human Detector gesicherten Fahrzeug jedoch nicht, da das natürliche Umfeld nicht geändert wird. An allen metallisch leitenden Werkstoffen wie z. B. Metall oder Carbon funktioniert diese Technik zuverlässig. Unbeheizte Glasscheiben oder Holzteile, bei denen Leitfähigkeit und Berührungssensitivität nicht gegeben sind, können dennoch gesichert werden, nämlich durch seismische Sensoren im Human Detector. Diese erkennen Schwingungen, die z. B durch das Öffnen von Türen und Klappen, durch Schraubgeräusche oder durch das Schlagen auf Metall erzeugt werden. Die seismischen Sensoren sind eingebaut und werden nach Bedarf aktiviert. Sie eignen sich hervorragend für die Sicherung von Fahrzeugen, die um 1900 gebaut wurden und die mit viel Holz ausgestattet sind. Die Mehrzahl der Autos aus späteren Jahren werden jedoch durch das kapazitive System gesichert, dessen Wirkungsweise oben beschrieben wurde.

Die direkte Anbringung am Objekt ohne Kopplung mit einer Zentrale ist übrigens die am häufigsten verwendete Sicherung. Ein Sensor erlaubt die Sicherung von bis zu zwei Fahrzeugen. Nicht erst bei Berührung, sondern bereits wenn ein Mensch diesem zu nahe kommt, wird unmittelbar ein akustisches Signal von einstellbarer ausgelöst. Dieser Warnton weist darauf hin, dass das Fahrzeug nicht berührt werden soll. "Das funktioniert sehr gut, denn 98% der Leute, die das Fahrzeug anfassen, möchten es einfach nur 'begreifen'", erklärt Clemens Heddier. "Solche Gedanken wie 'Wie fühlt sich ein Ferrari oder ein Lamborghini an?' stecken dahinter. Nachdem der Warnton ertönt, fassen diese Menschen nie wieder ein Exponat an."

Die meisten Museen und großen Ausstellungshäuser nutzen das Angebot, die Warnmeldung auf eine Videoüberwachungs- oder Alarmanlage aufzuschalten. So erfolgt die Meldung an eine zentrale Stelle. Oft werden dann im Hintergrund noch Kameras gesteuert, d.h. das Signal wird per Funk (ohne zusätzliche Verkabelung) an eine Zentrale geschickt. Eine Kamera dreht sich zum berührten Objekt und das Aufsichtspersonal kann sofort erkennen, ob von dem Verursacher weitere Gefahr ausgeht oder nicht.

Ein Human Detector eignet sich auch für den privaten Oldtimerbesitzer, sofern er sein(e) Auto(s) öffentlich präsentiert. In der heimischen Garage und nur einem darin geparkten Fahrzeug bietet es sich hingegen eher an, die Außenhaut des Gebäudes, sprich die Garage selbst, mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen zu sichern. Für stolze Sammler eines Fuhrparks, die gerne ihre Wagen präsentieren, wäre der kleine Sensor zu 398 EUR eine Überlegung wert, zumal ein Sensor über zwei Anschlüsse zwei Autos gleichzeitig sichern kann. Durch die Kombination mit Kameras ist es möglich, auf seinem persönlichen Smartphone jederzeit sein(e) Oldtimer zu sehen, und falls gewünscht anderen zu zeigen. So ist eben auch nach Bedarf feststellbar, ob mit dem Wagen noch alles in Ordnung ist.

Der Einbau bzw. das Anklemmen eines Human Detectors kann jeder ganz einfach innerhalb von wenigen Sekunden durchführen. Ebenso wie den Batteriewechsel, der einmal pro Jahr erfolgen muss. Die Lebensdauer der Batterie hängt von der Alarmhäufigkeit ab: Je häufiger ein Alarm ausgesendet wird, desto regelmäßiger müssen die beiden Lithiumbatterien (zusammen ca. 5 EUR) ausgetauscht werden. Die Notwendigkeit des bevorstehenden Batteriewechsels kündigt sich rechtzeitig auf zwei unterschiedliche Arten an: Ist der Human Detector direkt am Fahrzeug angebracht, ohne Verbindung zur Zentrale, zeigt ein regelmäßiger Piepton das bevorstehende Ende der Batterielaufzeit an. Bei der Kopplung mit einer Zentrale wird zusätzlich ein Protokoll aller Sensoren und Module über die Zentrale erstellt.

Bei normal arbeitenden Batterien sendet das Modul in regelmäßigen Abständen ein "Lebenszeichen" an die Zentrale. Eine selten vorkommende Fehlfunktion der Batterie macht sich dann durch den sogenannten "Heartbeat Fehler" bemerkbar. "Wenn kein 'Mein Herz schlägt, ich lebe noch' Zeichen erfolgt", beschreibt Clemens Heddier "ist dies der Hinweis für die Zentrale, dass etwas nicht stimmt. 'Du Ferrari, wie geht es Dir denn?' hakt sie dann nach", erklärt Heddier humorvoll weiter. Erfolgt keine Antwort, wird ein Alarm ausgelöst, weil ein Heartbeat-Fehler angenommen wird. In der Folge erscheint im Protokoll permanent der Hinweis 'Heartbeat Fehler'. "Dieser Fehler ist sehr ernst zu nehmen, weil er schwer zu beurteilen ist. Im schlimmsten Fall hat jemand den Wagen gestohlen und der Alarm wurde nicht bemerkt.

Clemens Heddier stellt im Video den Human Detector vor und demonstriert die Wirkungsweise zwischen Berührung und darauffolgendem Warnton. Der Technikfreak und Oldtimerfan Heddier hat eine Leidenschaft für Fahrzeuge aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, ist geübter Restaurator und zeigt angemeldeten Besuchern im Showroom der heddier electronic GmbH anhand von fantastischen Vorkriegs-Unikaten die Sicherungsmöglichkeiten des Human Detector auf.

In Kürze stellen wir hier Teil II "Clemens Heddier als Oldtimerliebhaber" mitsamt seinen Fahrzeugen vor.


 

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