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13. Juli 2016

Den Dieben auf den Fersen

Foto: Vodafone Vehicle Defence Box © Vodafone Automotive

Diebstahlprävention ist das A und O. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kann ein Fahrzeug gestohlen werden. Dann ist es wichtig, das Fahrzeug möglichst schnell wieder aufzufinden. Hierfür gibt es unterschiedliche Geräte. Thomas Girod von Vodafone Automotive stellt im Gespräch mit BELMOT verschiedene Möglichkeiten vor.

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Aktuelle Techniken der Fahrzeugverfolgung -
Thomas Girod von Vodafone Automotive stellt zwei Möglichkeiten vor


Vodafone Automotive bietet drei unterschiedliche Systeme zur Nachverfolgung von gestohlenen Fahrzeugen an. Welche sind das?
Wir unterscheiden ganz grob 2 Produktkategorien, den herkömmlichen Tracker und die neue Kategorie, "Sleeper" genannt.

Mit einem Tracker kann man jederzeit den Standort des Fahrzeugs über eine Smartphone-App feststellen, ganz gleich ob das Fahrzeug gestohlen wurde oder nicht. Es handelt sich um eine Blackbox, die fest im Fahrzeug mit Batterie und Zündung verkabelt ist und versteckt eingebaut wird, damit diese nicht leicht zu finden ist. Tracker sind schon sehr lange auf dem Markt. Bei Vodafone gibt es unterschiedliche Modelle, die unter dem Produktnamen "Vodafone Connex" geführt werden. Sowohl die manuelle als auch eine automatische Diebstahlmeldung sind möglich. Bei der manuellen ruft man die Alarmzentrale an, sobald man einen Diebstahl festgestellt hat. Bei der automatischen wird die Alarmzentrale automatisch benachrichtigt, sobald das Fahrzeug ein bestimmtes Gebiet, das zuvor festgelegt wurde, verlässt.

Unter den Vodafone Connex-Trackern gibt es zwei unterschiedliche Varianten: Der erste erfüllt den Hauptzweck, nämlich die Fahrzeugverfolgung und heißt "Connex Recovery". Darüber hinaus gibt es noch eine besonders ausgefeilte Version, die "Connex Guardian", die noch eine Zusatzfunktion erfüllt: Die Sperrung des Anlassers. Wenn das Fahrzeug gestohlen, irgendwo abgestellt und der Motor ausgeschaltet wird, springt der Motor daraufhin nicht mehr an. Hier gibt es noch eine weitere Zusatzfunktion, nämlich die "Driver Card". Es handelt sich hierbei um einen Sender, den der rechtmäßige Besitzer sich z.B. an den Schlüsselbund hängt, an dem auch der Autoschlüssel dran ist. Das Fahrzeug kann nur gestartet werden, wenn der Sender erkannt wird.

Tracker wurden bereits viele Jahre am Markt getestet und haben sich über die Jahre bewährt, nicht nur von Vodafone, sondern auch von anderen Firmen.

Die zweite und ganz neue Produktkategorie, die ich vorhin ansprach, sind die sogenannten "Sleeper". Sie sind batteriebetrieben und wachen einmal am Tag auf. Aktuell gibt es meines Wissens zwei Anbieter, wobei Vodafone einer davon ist.




Was unterscheidet den "Sleeper", genauer gesagt, die Vodafone Vehicle Defence Box, von dem bisher am Markt erhältlichen?
Der Sleeper ist mit einem einmaligen Anschaffungspreis von 239 EUR wesentlich günstiger als ein Tracker (zwischen 600 EUR und 850 EUR plus monatliche Gebühren). Vodafone erhebt für den Sleeper keine Monatsgebühren, d.h. man muss lediglich einmalig den Anschaffungspreis bezahlen plus die Kosten für den Einbau, um einen Diebstahlschutz für 2 Jahre zu erhalten. Die Kosten für den Einbau können leicht variieren, je nachdem, wie kompliziert der versteckte Einbau beim jeweiligen Fahrzeug ist. Die Größenordnung des Einbaus beträgt etwa 30 Minuten, was ungefähr 50 EUR kosten sollte.
Das allerwichtigste ist jedoch das Netzwerk von Alarmzentralen. Unsere Partner unterstützen unsere Kunden in 44 europäischen Ländern, d.h. es gibt in jedem europäischen Land eine Alarmzentrale.


Wie genau funktioniert die Signalortung und Weiterleitung an mich in der Praxis?

Ich als Besitzer muss merken, dass das Fahrzeug gestohlen wurde, denn hier wird keine automatische Diebstahlmeldung wie bei den Connex Trackern ausgelöst.
Wenn ich den Diebstahl bemerkt habe, muss ich über eine Nummer, die mir bei Vertragsabschluss mitgeteilt wird, eine Alarmzentrale anrufen. Dadurch wird die Diebstahlprozedur ausgelöst. Beim nächsten Einschalten wird der GPS-Sender aktiviert und das Fahrzeug kann über Satellit geortet werden.
Die Alarmzentralen der 44 Länder sind dafür zuständig, die jeweilige Landespolizei zu diesem Ort zu dirigieren und mit der Polizei zusammenzuarbeiten um das Fahrzeug vor Ort sicherzustellen.

Wie weit lässt sich das Signal eines gestohlenen PKW verfolgen?
Die Signalverfolgung, also die Ortung des Fahrzeugs, funktioniert über Mobilfunk. Darüber starte ich die Verfolgung und weiß, wo sich das Fahrzeug befindet. Die Signalverfolgung funktioniert überall dort, wo ich auch Mobilfunkempfang habe. Und das muss auch nicht unbedingt ein Vodafone Netz sein. Wenn dieses nicht verfügbar ist oder zum Beispiel im Ausland ein anderes Netz zur Verfügung steht, funktioniert dies ebenso.


Haben Sie bereits Erfahrungswerte? In wie vielen Fällen konnte bereits ein gestohlenes Fahrzeug durch den eingebauten Sleeper wieder aufgefunden werden?

In Italien haben wir überwiegend Mietwagenfirmen als Kunden und bereits etwa 5.000 Sleeper verkauft. Von den 5.000 wurden etwa 15-16 bisher gestohlen und circa 12-13 wiedergefunden. Die Wiederauffindungsrate beträgt aktuell also um die 80%, zudem wurden die Autos innerhalb von 24 Stunden nach der Aktivierung des Sleepers wiedergefunden.

Der Einbau erfolgt über eine der Vertragswerkstätten. Warum kann man den Einbau nicht selbst übernehmen?
Der Diebstahlschutz wird dadurch sichergestellt, dass das Produkt/die Box gut im Auto versteckt wird. Wir trainieren unsere Vertragswerkstätten auf den korrekten Einbau. Einerseits müssen es Orte sein, die für Diebe schwierig im Wagen zu finden sind, andererseits muss an diesen Orten Mobilfunk- und Satellitenempfang noch möglich sein. Wir stellen durch den Einbau durch unsere eigenen Werkstätten sicher, dass dies fachgerecht durchgeführt wird. Somit können wir auch für die reibungslose Funktion und Servicequalität garantieren. Wenn jemand den Einbau selbst durchführt, ist uns dies aus der Hand genommen, dann wissen wir nicht, wo sich das Produkt befindet und es kann u.U. auch nicht korrekt funktionieren. Wir haben keine Kontrolle mehr, wie diebstahlsicher es eingebaut wurde. Beim fachgerechten Einbau wird ein Protokoll erstellt, in dem der Installateur auch hinterlegen muss, wo er die Box eingebaut hat, so dass unsere Alarmzentralen wissen, wo sich der Sleeper befindet.

Wie merke ich, dass die Batterien nachlassen?
Grundsätzlich merkt man das als Endverbraucher gar nicht. Der Batteriestatus wird von den Alarmzentralen überwacht. Auf einer Telematik Plattform ist der Batteriestatus hinterlegt, die Alarmzentralen haben Zugriff darauf. Wir garantieren die Batterielaufzeit für zwei Jahre. Sechs bis acht Wochen bevor ein Batterietausch fällig ist, bekomme ich von der Alarmzentrale eine SMS auf meine hinterlegte Handynummer. Darin werde ich aufgefordert, mich um den anstehenden Batterie- bzw. Gerätetausch zu kümmern. Aber darüber hinaus gibt es für den Endverbraucher keine Möglichkeit, den Batterieverbrauch abzufragen.
Normalerweise wacht der Sleeper einmal pro Tag auf. In diesem Fall hält die Batterie circa zwei Jahre lang. Es besteht jedoch die Möglichkeit, ein sogenanntes Serviceprofil zu aktivieren, damit der Sleeper viermal pro Tag aufwacht. Natürlich verkürzt sich dadurch die Batterielaufzeit proportional auf sechs Monate.

Ist der Batteriewechsel ebenfalls nur durch die Werkstatt möglich und erfährt der Kunde überhaupt, wo die Blackbox in seinem Auto eingebaut wurde?
Der Kunde ist zwar normalerweise beim Einbau des Sleepers dabei und weiß, wo sich die Box befindet, dennoch kann er die Batterien nicht selbst wechseln. Es handelt sich konkret nicht um den Austausch von Batterien, sondern um einen Austausch des kompletten Systems. Das System ist sozusagen "verbraucht" und muss beim Hersteller eingeschickt werden. Praktisch wird es so organisiert, dass der Händler seines Vertrauens das alte Produkt aus- und direkt ein neues wieder einbaut. Das alte Produkt wird nach Italien in die Fabrik eingeschickt, die Batterie getauscht, das Plastikgehäuse gewechselt, es erfolgt ein Update des Systems, ein Austausch der Seriennummer. Danach geht es als aufgearbeitetes Gerät wieder in den Handel. Durch die Rückgabe des alten Systems erhält der Kunde auf das neue Gerät einen Rabatt von ca. 50 EUR.

Kann man das Ortungssignal auch auf Wunsch auslösen? Im schlechtesten Fall können ja zwischen Diebstahl und Sendesignal 24 Stunden liegen...
Ich würde es umformulieren: Der Alarm muss immer bewusst ausgelöst werden und zwar, in dem die Alarmzentrale angerufen wird und der rechtmäßige Besitzer sein Fahrzeug als gestohlen meldet. Die Alarmzentrale kann dann den Sleeper nicht sofort auf Wunsch aufwecken, das funktioniert leider nicht. Die Alarmzentrale kann lediglich in der Telematik Plattform das Produkt als gestohlen markieren und ab dem Zeitpunkt, an dem der Sleeper dann das nächste Mal von selbst aufwacht - das kann im längsten Fall bis zu 24 Stunden dauern - läuft die Ortung, das Tracking.

Wo kann ich den Sleeper kaufen?
Der Sleeper ist bei bei car Akustik erhältlich, einer Kette mit rund 70 Einbauwerkstätten in Deutschland und einigen in Österreich.

Was passiert mit dem Sleeper, wenn ich einmal ein gestohlenes Fahrzeug verfolgt habe und mein Auto wird nochmals gestohlen?
Durch das GPS-Tracking im Verfolgungsfall wird so viel Batterieleistung gebraucht, dass das Gerät noch etwa eine Woche eingesetzt werden kann. Danach muss der Sleeper gegen ein neues Gerät ausgetauscht werden, um das Fahrzeug für einen erneuten möglichen Diebstahl zu schützen.


Thomas Girod arbeitet schon einige Jahre für Vodafone Automotive. Aktuell ist er für den Vertrieb und das Business Development für die Produkte von Vodafone Automotive in Deutschland und einigen Ländern in Europa zuständig. In seiner früheren Position bei Vodafone stand er in direktem Kontakt mit den Fahrzeugherstellern, um die Fahrzeuge ab Werk zu vernetzen.
Er hat ganz klar ein Faible für Autos und war früher, „als die Wagen noch nicht so teuer waren“, stolzer Besitzer eines Porsche 911. „Die luftgekühlten, etwa 30 Jahre alten Porsche 911 gefallen mir immer noch sehr gut.“
 
Herzlichen Dank für das gute und informative Gespräch mit Ihnen, Thomas Girod!
Ihr Ansprechpartner
Isabelle Haupt
BELMOT Team
Tel: 0621. 457- 2041
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