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02. Juli 2014

Nähtraum trifft Kugelporsche

Frauen aufgepasst: Hier gibt es das passende Kleid zu Ihrem Auto. Wir stellen Ihnen heute eine (Petticoat-)Hobby-Schneiderin vor, damit Sie auf dem nächsten Oldtimertreffen stilecht auftreten können.

Bildrechte nachfolgender Bilder:

Bild 1 links: rogue FIVEphoto
Bild 2 links: Gernot Riecker
Bild 1 rechts: Gernot Riecker
Bild 2 rechts: rogue FIVEphoto
Bild 3 rechts: Renè Plantade

Eigentlich arbeitet Sarah Schilling alias "Vallmanya", oder auch "Luise", als Biologielaborantin im biologischen Pflanzenschutz. Dort beschäftigt sie sich z.B. mit Fragen wie "Wo genau sitzen die Pflanzenschutzresistenzen beim sogenannten Apfelwickler (dem Wurm, der sich gerne durch Äpfel durchfrisst)"? Dieser wird nämlich gegen immer mehr Pflanzenschutzmittel resistent. Nach der Arbeit im Labor – oder manchmal auch auf dem Erdbeerfeld– sitzt sie gerne zuhause an der Nähmaschine. Als Fan der 20er bis 60er Jahre schneidert sie dann am liebsten Kleider dieser Zeit, meist Petticoat-Kleider, die sie zum Beispiel auf Oldtimertreffen trägt und dort ab und an verkauft. Luise ist aber nicht nur Fan von Petticoat-Kleidern, sondern auch von Oldtimern. Im Gespräch erzählte sie uns, wie die Liebe zu Dingen aus der Vergangenheit anfing und wo man sie und ihre Kleider finden kann: 

"Ich bin mit alten VWs großgeworden. Mein Vater hatte so lange ich denken kann Käfer und einen alten T2. Ich war als Kind ständig mit in der Garage und habe alles mitbekommen. Was ein 13er Gabelschlüssel ist und wofür man den braucht, habe ich von ihm gelernt. Ich mag schon immer alles, was alt ist. Mein Vater hat z.B. ein Feldbahnmuseum in Dossenheim und dadurch bin ich schon von klein auf mit allem Alten konfrontiert worden. Schon als Kind habe ich gesagt: "Mein erstes Auto wird ein Käfer." Und so kam es dann auch.

Als ich mit 18 meinen eigenen Käfer hatte (mittlerweile habe ich den zweiten), dachte ich: "Ich brauch ein passendes Kleid zu meinem Auto".

Ich war schon früh handwerklich begabt. Meine Oma hat mir ihre alte Nähmaschine geschenkt als ich 12 Jahre alt war und ich habe im Nähunterricht der Schule und privat viel genäht und gestickt. Mit 16 habe ich mir eine Schneiderpuppe gekauft und dann, mit 18, nach dem Kauf des Käfers, da musste ich einfach auch das passende Kleid anhaben. Weil ich die 50er Jahre einfach liebe, habe ich mein erstes Petticoat-Kleid genäht. Ich liebe die Musik, die Mode, gehe auf Musikevents... das hat sich so entwickelt.. Nachdem das erste Kleid fertig war, haben mich die ersten Leute angesprochen und gesagt "Ich will auch eins".

So nähe ich dann auch ab und an mal auf Bestellung. Ich habe allerdings bewusst keinen eigenen Online-Shop. Da ich ja berufstätig bin, soll das Schneidern auch weiterhin ein Hobby und eher klein bleiben. Auf daWanda habe ich ein paar Stücke zum Kauf eingestellt, einfach um es mal auszuprobieren. Bisher lief und läuft aber alles eher über Mundpropaganda. Man kann mich auf Facebook oder über meine Homepage kontaktieren und seit diesem Jahr Ende Mai meine Kleider bei Oldtimerevents anschauen und anprobieren.

Gerade hatte ich meinen ersten Stand bei einem Käfertreffen in Bad Rappenau. Ich hatte etwa 15 Kleider dabei, die die Mädels anprobieren und kaufen konnten, außerdem haben wir während einer Modenschau meine Kleider öffentlich präsentieren dürfen. Das war total schön! Wie gesagt, ich bin ja leidenschaftliche Käferliebhaberin und so konnte ich beide Interessen optimal verbinden.

Ich fahre einen ulmengrünen Käfer T1300L, also mit Heckscheibenheizung, Zigarettenanzünder und Gummistoßschutzleiste, Baujahr 1968. Ich liebe dieses Auto. Als mein erstes Modell nicht durch den TÜV kam, musste das Folgeauto unbedingt wieder ein Käfer sein. Ebenso in ulmengrün, versteht sich.   

Der Kauf war dann ein Ebay-Zufallskauf meines Vaters für 250 EUR. Plötzlich stand der Käfer –ohne Motor– bei uns im Hof. Mit Hilfe meines Vaters haben wir das Auto in 9 Monaten komplett restauriert. Das Ergebnis seht ihr auf den Fotos. Mein Herz hängt an diesem Auto. Ein modernes Auto ist einfach etwas anderes.

Ich mag nicht das, was alle haben. Genau wie bei meinen Kleidern. Das Besondere an ihnen ist, dass die meisten meiner Ideen von mir selbst stammen. Alles ist mit Liebe handgemacht. Ich verwende keine gekauften Schnittmuster und habe kein Kleid mehr als drei Mal geschneidert. Somit sind sie ganz individuell. Genauso wie die Reaktionen darauf:

Auf dem letzten Treffen kam eine Frau zu mir und meinte mit einem Lächeln im Gesicht zu mir "Du Flittchen". Ich war total erstaunt und schaute sie mit großen Augen an. Wie bitte?" Mein Unterrock hatte Rüschen und diese hatte ich mit Absicht unter dem Kleid hervorschauen lassen. Da der Unterrock aber Unterwäsche ist, war das in der damaligen Zeit natürlich ein No-Go (lacht)."

 

Am 31. August kann man Luise und ihre Petticoat-Kleider persönlich auf dem Kingkäfers Treffen in Schramberg bewundern. Dort hat sie auch wieder eine eigene Modenschau kreiert.

Vielleicht ist ja genau IHR Wunschkleid, passend zu Ihrem Auto dabei?

 

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