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19. Februar 2016

Seine große Liebe? Mustangs

Anders und schneller als die Autos seiner Kumpels - das waren Ralf Wurms Voraussetzungen als er mit 18 sein erstes Fahrzeug suchte. Aus dem Zufallskauf Mustang ist eine große Liebe, aus dem Hobby mittlerweile sogar sein Beruf geworden. BELMOT stellt den "Mustang-Man" vor!

Video 1: Mustang Man: Europe - Mustang Countdown

Video 2: KissMyDrive


Fotos | Bildrechte dieser Seite: Ralf Wurm
Hintergrundinfos zum Shelby:

Carroll Shelby war selbst Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre Rennfahrer, so war er z.B. 1962 der Sieger des 24-Stunden-Rennens von Le Mans. Er war aber auch der Vater der legendären AC-Cobra, des Daytona Coupés, des Ford GT 40 und der neuzeitigen Dodge Viper. Insbesondere aber baute er auch von 1965 bis 1970 auf Basis des FORD Mustang den Shelby Mustang, wobei 1970er Shelbys übriggebliebene 69er Modelle waren. Bis heute ist Carroll Shelby, auch nach seinem Tode 2012, mit seinem Namen und dem bekannten Cobra-Symbol der Namensgeber vieler leistungsgesteigerter Ford Mustang geblieben.

Mein Shelby GT500 Fastback basiert auf einem FORD Mustang Fastback-Mach1 aus dem Jahre 1969. Durch Austausch der Motorhaube, der Kotflügel, des Kofferraumdeckels und der rückwärtigen Beleuchtungsaufnahme gegen neu-gestylte Teile aus Glasfaser-Kunststoff wurden gegenüber dem Original ca. 300 Kg. Gewichtsersparnis erreicht, sodass das Gesamtgewicht des Fahrzeugs auf 1.250 Kilogramm reduziert werden konnte.
Auch sagten die „Shelbyisten“ unter sich, dass gerade diese Änderungen endlich einmal die Qualität von Carroll Shelby als Designer deutlich gemacht haben. Das Ergebnis ist, dass man nun endlich von einem reinen Shelby, und nicht, wie in den Jahren zuvor, immer nur von einem Shelby Mustang sprach.

Das angeschlossene Ram-Air-Luftfiltersystem (Luftzufuhr durch Motorhaube in Luftfilter & Vergaser hinein) liefert bei rund 120km/h bereits 20 bis 25PS Mehrleistung. Zur Kraftübertragung ist ein C6 3-Gang-Automatikgetriebe verbaut. Das Fahrwerk wurde der Höchstgeschwindigkeit von rund 270km/h durch die Montage progressiver Schraubenfedern und einer Tieferlegung um 25 mm angepasst.

Vielen Dank an Ralf Wurm, der diese Informationen zur Verfügung gestellt hat.
Als Ralf Wurm 1982 mit 18 Jahren gerade seinen Führerschein machte und nach einem eigenen Auto Ausschau hielt, musste es einfach nur ein Wagen sein, den keiner seiner Kumpels hatte. Im Hinterhof eines italienischen Gebrauchtwagenhändlers fand er etwas besonderes, was er so noch nicht kannte. Einen FORD Mustang! Der Unfallschaden vorne rechts hatte keine große Bedeutung für ihn, denn die Motorleistung überstieg alle fahrbaren Untersätze seiner Kumpels zusammen. Damals ahnte er noch nicht, dass diese Entscheidung Auswirkungen auf sein weiteres Leben haben würde: Aus einem Hobby wurde eine große Liebe! Er machte sich selbständig und lernte sogar seine Ehefrau über das Thema Mustang kennen.

Seitdem ist es um ihn geschehen - immer wieder wechseln seine formvollendeten Schönheiten aus vergangenen Zeiten, an denen er so gut wie alles selbst repariert. Aber eines hat Bestand: Er hält FORD und Mustangs die Treue.
Aktuell zählt er einen 69er Shelby GT500, sowie einen 69er BOSS 429 Mustang zu seinen Schätzchen. Den BOSS 429 teilt er sich mit Jens Schnur, einem guten Freund und Kameraden aus dem Oldtimerclub und selbst Besitzer eines 69er Boss 302. Zugegeben, zwei Fahrzeuge sind keine große Sammlung aber darauf legt er auch keinen Wert. "Ich bin ein Fahrer, kein Sammler", erzählt er. "Außerdem mag ich Autos, hinter denen Geschichten stecken." Und diese stecken definitiv in seinen Gefährten (Zur Story des BOSS). Deshalb versucht er, an seinen Fahrzeugen optisch wenig zu ändern. "Der BOSS hat bisher keine Restaurierung erlebt - und wird diese planmäßig auch nicht erleben. Die Originalpatina ist vorhanden, das Fahrzeug ist fahrbereit und erhält in diesem Jahr eventuell sogar die TÜV Abnahme. Bis auf ein paar durchgerostete Bremsleitungen ist das Fahrzeug technisch in Ordnung."


Foto: 69er BOSS 429

Seine Faszination für Mustangs liegt darin begründet, dass Mustangs seit 52 Jahren kontinuierlich gebaut werden - auch wenn zwischenzeitlich eine Phase dabei war, in der es mal etwas stiller um die US-Cars war. Trotzdem erhalten Mustangs weltweit, sowie über alle Generationen hinweg, Zuspruch und werden von sehr vielen Menschen positiv bewertet. Dafür spricht, dass das Kontingent des Mustang 2015 in Deutschland bereits komplett ausverkauft ist. "Heute erhalte ich im Büro Anrufe von 18-Jährigen, die mir mitteilen, sie hätten ihr Traumauto gefunden und einen Ford Mustang aus den 60er Jahren meinen. Mein Sohn Dennis ist dafür ebenso ein Beispiel. Er ist genauso Auto-affin wie ich, nur die Schrauberei ist nicht so seins.“

Auch unterstützt seine Frau sein Hobby ungemein. Ralf Wurm lernte sie kennen, als ihr damaliger Mann ihm einen Mustang abkaufte. Sie war es letztendlich auch, die den Mustangfan dazu brachte, vor 3 Jahren sein Hobby zum Beruf zu machen. Kurz vor der Heirat stellte sich  dem jungen Paar auf der Techno Classica 1995 die Frage, wie es - autotechnisch gesehen - im Leben weitergehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt gehörten drei Mustangs zu ihrem Besitz. „Bleiben wir beim Mustang, oder wechseln wir zu einem 56er Thunderbird mit Continental Kit?“, fragten sie sich. Im Gegensatz zum Zweisitzer-Thunderbird, war ein Mustang aber immerhin ein familientauglicher Viersitzer. Eine Familie zu gründen stand noch auf der Wunschliste. Einen Tag nach Besichtigung eines T-Birds sollte das Schicksal es entscheiden. Ein Mann, dessen Sohn in den USA studierte, kam an den Stand des Mustang Clubs und sagte „ Mein Sohn hat mir da so ein orangenes ‚Ding‘ in die Garage gestellt, dass ich hier für ihn verkaufen soll, so irgendwas mit Shelby und GT500 steht am Fahrzeug.“ Die Augen der Wurms wurden groß und die Ohren riesig. Nur eine Woche nach der Techno Classica war der Wagen gekauft. Wie richtig die Entscheidung war, zeigten die Geburt des Sohnes Dennis zwei Jahre später sowie die Wertsteigerung des Fahrzeugs in den letzten zwanzig Jahren. „Das war besser als damals jede Siemens-Aktie zu kaufen. Alles andere ist in den Keller gegangen, der Wert meines Shelbys nicht. Und wenn er es doch getan hätte, hätte ich wenigstens noch mit meiner Kohle viel Spaß gehabt und nicht irgendein Juppie, der den Zaster an der Börse verspekuliert hätte.“ Der Shelby wurde ein Mal durchrestauriert und so alltagstauglich aufgebaut, dass auch Urlaubsfahrten nach San Marino in Italien kein Problem gewesen sind. „Da war der Sprit bei dem Urlaub teurer als alle Hotelaufenthalte zusammen, aber die Faszination, die der Wagen bei den Tifosi auslöste war super. Keiner mißgönnte mir meinen Shelby. Alle sagten nur „bella macchina“.


Der gelernte Informationselektroniker begann mit der Schrauberei bereits mit 13 Jahren. In einer Werkstatt brachte er sich autodidaktisch Reparaturen an Mopeds und später auch am ersten eigenen Mustang bei, den er als Unfallwagen kaufte. "Ich war also schon immer ein richtiger 'Technikfimmler'," beschreibt er sich selbst. Seine seid 1979 existierende „normale“ Firma für Elektronik & Feinmechanik/Maschinenbau, mußte in den letzten Jahren den weltwirtschaftlichen Umständen Tribut zollen. Ein weiterer Grund, endlich mit seinem Hobby seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Also kaufte er mit seiner Frau vier deutsche Mustangläden auf und startete endlich durch.

Seit 2013 führt er gemeinsam mit seiner Frau "All About Mustangs Oldtimerservice" mit einem mit über 2.500 Teilen bestückten (Online-)Shop. Der Name steht für sich: Alle Leistungen drehen sich um Mustangs. Das Team um die Wurms besorgt jegliche Ersatzteile; bietet Unterstützung beim Fahrzeugkauf; vermittelt in Seminaren und Workshops nützliches Oldtimer-Wissen; zum Service gehören auch Vor-Ort-Begutachtung sowie Zustandseinschätzung, Restaurationsbegleitung, Strahlarbeiten oder ein Überführungsservice. Damit ist die Liste an Angeboten jedoch noch nicht ausgeschöpft. Weitere Services sind über die Website sowie über persönliche Anfragen zu klären. Für Ralf Wurm steht fest: "Das war zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung."

Beruflich wie privat fügt sich das Bild eines voll und ganz auf Mustangs spezialisierten Mannes zusammen: Privat ist Ralf Wurm seit 25 Jahren 1. Vorsitzender des First Mustang Club of Germany 1964-73 e.V. Der Club wurde 1985 von acht Enthusiasten gegründet und hat inzwischen mehr als 700 Mitglieder. Besitzer „klassischer“ Mustangs, also der Baureihen von 1964 bis 1973 und Besitzer von Shelby Mustangs der Baureihen 1965 bis 1971 sind im Club willkommen.

Daneben führt er ab und an für FORD Kaufberatungen durch, die auf seine Initiative hin erst entstanden sind. Immer wieder engagiert FORD ihn als Referent zu ausgewählten Themen. Zur Eröffnung des "Ford-Store" der NRW-Garage in Düsseldorf am 12. März 2016 üben sich BOSS 429 und Shelby GT 500 schon mal als Ausstellungsfahrzeuge, bevor sie dann nacheinander am BELMOT Messestand eingesetzt werden (der BOSS auf der Retro Classics, der Shelby auf der Techno Classica).

Bleibt noch ein Blick in die Zukunft: „Ich wünsche mir, dass die gesamte Thematik Mustang am Leben bleibt".

 

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