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22. Oktober 2014

Besuch beim Dellendoktor

Heute schauen wir einem Dellendoktor aus Buchholz in der Nordheide, vor den Toren Hamburgs, über die Schulter. Bei den fünf Kollegen der Buchholzer Fahrzeugaufbereitung ist Martin Winter der Profi für Smart Repair - besser bekannt als 'Dellen-Doktor'.

Was früher ein Fall für den Lackierer war, kann heute durch Experten mit entsprechendem Feingefühl und dem richtigen Werkzeug durchaus "minimalinvasiv" und unter Erhaltung des originalen Lacks behoben werden.

Wichtig jedoch ist, dass der Dellen-Doktor den Youngtimer in Augenschein nehmen kann, nicht jede Delle oder Beule kann in diesem Verfahren behoben werden. Besonders, wenn die Beschädigung entlang einer Karosseriekante oder einem Blechfalz entlangläuft oder bereits ein Knick entstanden ist.

An diesen Stellen, kann Martin Winter zwar tätig werden, allerdings ist die Gefahr an solchen Stellen groß, dass der Lack bereits Risse aufweist und bei der Zurückverformung des Bleches einfach abplatzt und wegspringt. Ähnlich verhält es sich, wenn durch die Verformung das Blech gedehnt bzw. gestreckt wurde. Der Fachmann spricht dabei auch manchmal von einem "Frosch" weil das Blech an dieser Stelle hin und her springt und dabei knackt, wie früher der Knackfrosch als Blechspielzeug. Auch solche Verformungen lassen sich beheben.  Ist der Lack an einer solchen Stelle jedoch überdehnt und gerissen, kommt man nicht ohne partielle Nachlackierung aus.

Unser Patient ist ein 230CE von Mai 1982 ein sehr seltenes, frühes W123 Coupé mit Airbag und ABS und viel originalem dunkelblauen Lack im beliebten, weil klassischen, Farbcode 904.

 

Die letzten dreißig Jahre sind an dem Fahrzeug nicht spurlos vorbeigegangen. Man sieht das an etlichen kleineren Dellen im Blechkleid, die rund um das Fahrzeug zu finden sind.

In unserem Bericht konzentrieren wir uns auf die Fahrertür des Coupés. Das spezielle Werkzeug ist so geformt, dass eine Demontage der Türverkleidung nicht erforderlich ist. Ein Holzkeil, der die Dichtung beiseite drückt, genügt in diesem Fall. Er sorgt für den entsprechenden Spielraum, damit das Werkzeug im richtigen Winkel angesetzt werden kann. Das Wichtigste ist jedoch die indirekte Beleuchtung.

Wer sich zum ersten Mal den Lack seines Oldtimers anschaut, wird oftmals viel weniger Beschädigungen erkennen als ein Profi, vor allem wenn der Lack im strahlenden Sonnenschein glänzt - woran liegt das? Der Profi achtet primär auf die Lichtreflexionen. Das bedeutet, ein intakter Lack auf glatten Blech spiegelt seine Umwelt wie ein Spiegel.

Überall dort wo Zerrbilder entstehen oder dunkle bzw. helle Reflexionen im indirekten Licht ist eine Delle bzw. eine Erhebung von innen nach außen.
An unserer Tür kommen verschiedene Mittel der Dellenentfernung zum Einsatz.
Zuerst wird das nach innen verformte Blech nach außen gedrückt. Hierbei ist viel Fingerspitzengefühl und vor allem Erfahrung nötig, um das Blech nicht mehr als nötig zu dehnen. Sobald das Blech zu weit nach außen getrieben wurde, kommen Hammer und ein kleiner Kunststoff-Körner zum Einsatz. Damit kann das Blech punkt- und milimetergenau auf das richtige Maß bearbeitet werden.

Zuletzt, wenn alle Proportionen am Dellenrand passen, klebt Martin Winter einen Gummisaugnapf an. Mit diesem Saugnapf ist es möglich, ohne den Lack zu beschädigen und von innen zu drücken, dem Türblech seine ursprüngliche Form zurückzugeben.

Von der zuvor hässlichen Delle, die relativ nah an der Türkante saß, ist nichts mehr sehen.

Darüber hinaus hat Martin Winter eine kleine Delle in der Nähe des Außenspiegels entdeckt, die - wer hätte es gedacht - mir noch gar nicht aufgefallen war. Auch diese hat er unsichtbar entfernt.

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