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04. Mai 2016

Der Geruchskiller

Armin Amberg ist von Beruf Tatortreiniger. Heute ist er zu Besuch bei Thomas Schäfer in Linsengericht. Er zeigt Ralf Stumpfernagel von BELMOT und Alexander Polaschek von der Oldtimer Praxis eine revolutionäre Art der Geruchsbeseitigung.

Was passiert wenn ein Tatortreiniger Hand am Oldtimer anlegt?

"Nahezu unglaublich daran ist, dass auf das schädliche Ozon, das man aus anderen Geruchskiller-Prozeduren kennt, dabei vollkommen verzichtet werden kann", erklärt Amberg.

Häufigstes Problem an Tatorten oder vermüllt zurückgelassenen Wohnungen ist nicht der Grad der Verschmutzung, sondern der Geruch nach Zersetzung und Fäulnis. Je nachdem, wieviel Zeit zwischen Tod eines Menschen und Fundzeitpunkt lag, war es früher nahezu unmöglich, den Geruch zu beseitigen.

Durch eine spezielle Salzlösung, die sowohl in der Atemluft, als auch für den menschlichen Organismus ungefährlich ist, werden Bakterien, Keime, Viren sowie Pilze und deren Sporen abgetötet, die für die Geruchsentwicklung verantwortlich sind.

Den Beweis tritt Armin Amberg direkt an, um seine Worte zu unterstreichen: Er trinkt einen kleinen Schluck seiner Salzlösung.

Eine gewisse Skepsis bei uns Umstehenden bleibt angebracht, handelt es sich doch um eine Salzlösung, die versprüht wird und man weiß, wo Salz im Spiel ist, ist die Korrosion nicht weit. Vor allem, da an unseren Oldtimern deutlich mehr blankes Metall im Innenraum zu finden ist, als in modernen Fahrzeugen. Laut Amberg, wird der Salznebel jedoch so mikroskopisch fein vernebelt, dass der Sprühnebel sich quasi in Luft auflöst, bevor sich ein Beschlag bilden kann. Man kennt das zum Beispiel vom Nikotin in Raucherautos. Die Düsen, die Amberg für die Verneblung verwendet, stammen ursprünglich aus dem Bereich der Medizin.

Da wir das Gerät heute zum allerersten Mal an einem Oldtimer testen, hat Thomas Schäfer eine kleine Versuchsanordnung vorbereitet. Sicher ist sicher:
Diese besteht aus einem Metallstück, blankgeschliffen mit einer Flex, einem isolierten Kabel und zwei Schrauben. Diese Schrauben wurden tags zuvor bis zur Glut erhitzt, so dass sie nun ausgeglüht und rostanfällig auf ihren Einsatz warten.
Die Anordnung ist doppelt ausgeführt, eine davon landet in unserem Versuchsobjekt, einem Mercedes 250Seb Coupé W111 von 1966. Die andere wandert parallel als Vergleichsmuster in den Kofferraum des Volvo von Thomas Schäfer.

"Ein kleiner Kompressor reicht vollkommen aus. Wer schon einen Kompressor besitzt, kann die Bestandteile auch einzeln kaufen", so Amberg.
Der kleine Kompressor dient der Behandlung vor Ort. Nun ist unser 250SE als Objekt kein Extremfall, aber er riecht deutlich mehr nach altem Auto als einem lieb ist. Ein leicht stechender Geruch ist wahrnehmbar. Umso gespannter sind wir Umstehenden, als Amberg sich ans Werk macht. Einzige Voraussetzung: Der Fahrzeuginnenraum muss zuvor gesäubert werden. Es darf kein loser Staub und Schmutz vorhanden sein.

Jetzt kann die Behandlung starten, ob mit der Hand oder eingehängt in die Scheibe, beide Varianten sind möglich. Wichtig: Nach Behandlungsende sollten die Türen verschlossen bleiben. Gegen Geruch in der Belüftung blasen wir den Nebel von außen ein und lassen innen dabei das Gebläse laufen. Ein minimaler Chlorgeruch ist wahrnehmbar, dieser verflüchtigt sich aber schnell wieder.

Nach der Anwendung liegt in der Tat kein störender Geruch mehr in der Luft, wir nehmen lediglich eine leichte Note nach Leder wahr. Soweit so gut, aber unsere Fragestellung geht natürlich weiter: Wie sieht das Metall aus, das eingenebelt wurde und wie lange dauert es, bis der Geruch wieder zurückkommt?

Tatsächlich kann die Anwendung bis ins Detail überzeugen, es gibt im Fahrzeug keinerlei Spuren eines Beschlags. Der Geruch wurde tatsächlich langfristig entfernt und kam auch bis heute nicht wieder (Die Behandlung ist mittlerweile ca. 6 Wochen). Auch im letzten Punkt eine glatte Überraschung: An den bedampften Metallteilen konnten wir bislang keine Korrosion feststellen"Durch den niedrigen Preis ab 298 Euro Netto zzgl. 19% MwSt könnte ein solches Gerät schon für den Hobbybedarf oder einen Club interessant sein.

Für den Profianwender kommt eine Zeitschaltuhr – wegen der Länge des Einsatzes, abhängig von der Fahrzeuggröße– hinzu. Der optional erhältliche Koffer rundet das Bild ab.

So liegen wir für alle drei Teile (Koffer, Zeitschaltuhr und Vernebler) bei netto 890 Euro zzgl. 19% MwSt.

Unser Tipp:

Wer nicht gewerblich arbeitet und dabeibleiben kann, kann auf die Zeitschaltuhr auch verzichten, der Vernebler als solches kommt auch ohne aus.

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