Ein Ort voller Geschichte(n)
Immer wieder einmal erlebt man Überraschungen. Als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, mir mal einen schönen Oldtimer Fuhrpark anzuschauen, wusste ich nicht, dass mich eine derart liebevoll gestaltete Halle erwarten würde. Der Besitzer: Stefan Krieger. Seit Kindheit Oldtimerfan und von Beruf KFZ Mechaniker Meister, außerdem Inhaber und Geschäftsführer des KFZ Betriebs Krieger in Mannheim-Lindenhof. In einem von außen unscheinbaren Gebäude in Mannheim hat sich Krieger einen gemütlichen Rückzugsort geschaffen, der allerhand Geschichte(n) enthält.
Als Zwölfjähriger erhielt Stefan Krieger von seinen Eltern einen VW Käfer, um auf deren Betriebsgelände umherfahren zu können. Das war der Beginn einer großen Leidenschaft für Fahrzeuge. Dieser Käfer ist heute nicht mehr in seinem Bestand, denn Krieger modelte ihn nach einiger Zeit zum Cabrio um. "Bis er irgendwann zusammenkrachte", lacht er. Dann kam alles nach und nach und ohne tatsächlich auf der Suche nach bestimmten Wagen zu sein. Heute ist er stolzer Besitzer eines Fuhrparks aus elf Oldtimern unterschiedlicher Marken, deren Geschichten er Ralf von BELMOT und mir bei einem Besuch erzählte.
Der Zweitakter mit 250 m³ Motor darf mit einem altem Traktorführerschein bzw. mit einem Führerschein für Altersfahrstühle bis 25 km/h bewegt werden. Die Besonderheit ist das Original-Faltdach, das nur ganz selten dabei ist, da es sich um eine Option handelt, die man dazu bestellen konnte.


Fiat 500 sind Kriegers heimliches Steckenpferd. In seinen besten Zeiten besaß er sieben Fiat 500. Heute sind es 'nur' noch drei. "Ich finde sie einfach knuffig und süß. Der Fiat hintendran ist Baujahr 1968, den ich günstig – eigentlich als Ersatzteilträger – gekauft habe. Aber letztendlich habe ich ihn doch behalten wie er war und habe nun zwei fahrtüchtige Fiats.
Der älteste Wagen in der Flotte: Ein Ford V8, Baujahr 1940. "So wie er jetzt da steht wurde er für einen Spottpreis von einem Ford Autohaus in Lorsch bei Bensheim verkauft. Jenes Autohaus hat seit dem Eintritt des Rentenalters des Geschäftsführers seine Pforten geschlossen. Vor Toreschluss verkaufte er jedoch alles, auch drei Oldtimer aus der Ausstellungshalle. "Vielleicht kaufte ich hier ein bisschen die Katze im Sack, denn er lief erstmal nicht. Aber es lag nur an Batterie und Flüssigkeiten, die getauscht werden mussten. Der Wagen kam zuvor unrestauriert und verrostet aus Tschechien. Ob er jemals in den USA war, ist nicht bekannt und die Historie sehr verschlüsselt."
Ganz unspektakulär die Geschichte zur Ente: Sie stand in einer Garage, die leergeräumt werden musste. "Sie ist ganz naturbelassen, mit krummer Stoßstange, wie es auch in Frankreich oft der Fall ist. Ich war vor kurzem in Paris und habe dort gemerkt, dass die Handbremse tatsächlich nicht angezogen werden sollte, so dass das Auto für den nächsten Ein- oder Ausparker ein wenig hin- und hergeschubst werden kann." Die Ente wurde und wird übrigens auch bei der Mannheimer 'Nacht der Kunst und Genüsse' als Oldtimer-Transfer-Shuttle von Neckarau nach Lindenhof und wieder zurück eingesetzt.
Fahrzeug Nr.11, einen Jaguar 3,8 S, hat Stefan Krieger 1990 von seinem Vater geschenkt bekommen. Damals war der Wagen komplett zerlegt und noch im alten Lack, nämlich silber. Jetzt ist er British Racing Green. "Mein Vater bat mich, den Wagen so weit zurechtzumachen, dass er ihn im Rentendasein ein bisschen bewegen kann. Leider hat dieser Plan nicht funktioniert, denn mein Vater ist vor zwei Jahren verstorben. Jetzt werde ich das Fahrzeug für meine Mutter fertigstellen."
Krieger legt viel Wert auf die Verschönerung der Halle. Entdeckt er zum Beispiel auf Messen oder Flohmärkten passende Accessoires, werden diese oft Teil der Garage. So erwarb Krieger den Tankwart und die Ölzapfanlage oder andere kleine Gimmicks. "Mir war außerdem wichtig, in der Halle ein Stück Mannheims zu zeigen. Ich habe deshalb Sprayer aus Speyer engagiert, die ganz heiß darauf waren, sich zu verwirklichen." So haben sie die zentrale Straße Mannheims, die Augustaanlage auf Boden als auch Wänden dargestellt. Ein Grasteppich symbolisiert den Mittelstreifen. Die Halle ist so gemütlich eingerichtet, dass sie gut und gerne hin und wieder auch für geschäftliche Events genutzt wird. Am allerliebsten nutzt Krieger sie, um "mal bisschen abzuschalten und den Alltag von sich zu strecken."